Präsenz, online oder Inhouse: Welches Format passt?
Stand: 30. Oktober 2026 · Keine Rechtsberatung – maßgeblich sind Gesetz, Richtlinie und die Vorgaben Ihrer Einrichtung.
Kurz gesagt
- Die Betreuungskräfte-Richtlinie schreibt kein Format vor. Entscheidend ist, dass Ihre Einrichtung die Fortbildung als Nachweis akzeptiert – klären Sie das vor der Anmeldung.
- Präsenz bietet den meisten Austausch und Raum für praktische Übungen, kostet aber Anreise und Zeit.
- Live online spart den Weg und ist oft etwas günstiger; es braucht Technik und einen ruhigen Platz.
- Inhouse lohnt sich, wenn mehrere Betreuungskräfte eines Hauses gemeinsam teilnehmen sollen.
- E-Learning zum Selbstlernen ist selten und passt am wenigsten zum Ziel, die eigene Praxis zu reflektieren.
Was die Richtlinie vorgibt
Die Richtlinie verlangt jährlich mindestens 16 Unterrichtsstunden, die das Wissen aktualisieren und die berufliche Praxis reflektieren (§ 4 Abs. 4). Über Ort und Form sagt sie nichts: Online-Seminare, E-Learning und Inhouse-Schulungen sind weder erwähnt noch ausgeschlossen. Mehr dazu im Ratgeber Was gilt?
Weil die Einrichtung die Fortbildung nachweisen muss, entscheidet in der Praxis sie, welche Formate sie anerkennt. Manche Häuser wünschen ausdrücklich Präsenz, andere buchen gezielt online, um Dienstpläne zu entlasten.
Präsenz: Seminar vor Ort
Die klassische Form: ein oder zwei Seminartage beim Anbieter, mit Teilnehmenden aus verschiedenen Einrichtungen.
- Dafür spricht: Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Häusern, praktische Übungen (Bewegung, Musik, Rollenspiele etwa zu Validation oder herausforderndem Verhalten), Abstand vom Arbeitsalltag.
- Dagegen spricht: Anfahrt und gegebenenfalls Übernachtung, Fahrtkosten, längere Abwesenheit im Dienstplan. Für Betreuungskräfte in Teilzeit sind ganze Seminartage manchmal schwer einzurichten.
- Achten Sie auf: Erreichbarkeit mit Bus und Bahn, Beginn und Ende (passt es zu Kinderbetreuung und Fahrzeit?), ob Verpflegung im Preis enthalten ist.
Termine vor Ort suchen – mit Ihrer Postleitzahl und einem Umkreis sehen Sie zuerst die nächstgelegenen. Einen Überblick gibt die Karte.
Live online: Seminar per Video
Ein Seminar zu festen Zeiten mit Dozentin oder Dozent und Gruppe, über Zoom, Microsoft Teams oder ähnliche Dienste. Viele Anbieter teilen die 16 Unterrichtsstunden auf zwei Tage oder auf mehrere kürzere Termine auf.
- Dafür spricht: keine Anfahrt, bundesweite Auswahl an Themen und Terminen, oft etwas günstiger. Gut geeignet für ländliche Regionen und für Wissensthemen wie Krankheitsbilder oder rechtliche Grundlagen.
- Dagegen spricht: weniger persönlicher Austausch, Bewegungs- und Praxisübungen sind nur eingeschränkt möglich, ein ganzer Tag am Bildschirm ist anstrengend.
- Achten Sie auf: Gerät mit Kamera und Mikrofon, stabile Internetverbindung und einen ruhigen Platz, an dem Sie nicht zwischendurch gerufen werden. Fragen Sie beim Anbieter, ob die Kamera eingeschaltet sein muss und wie die Teilnahme bescheinigt wird, und bei der Einrichtung, ob Sie dort oder zu Hause teilnehmen.
Hybrid
Bei hybriden Terminen sitzt ein Teil der Gruppe im Seminarraum, der andere ist online zugeschaltet. Sie wählen selbst, wie Sie teilnehmen. Wer online dabei ist, bekommt vom Geschehen im Raum allerdings oft weniger mit. Manche Anbieter nennen auch Kurse „hybrid“, die aus Präsenztagen und Online-Teilen bestehen; das steht dann in der Beschreibung.
E-Learning zum Selbstlernen
Lernmodule mit Texten, Videos und Tests, die Sie in eigenem Tempo bearbeiten, ohne feste Termine und meist ohne Gruppe. Für die Pflichtfortbildung gibt es nur wenige solche Angebote. Die Richtlinie verlangt, dass die Fortbildung die berufliche Praxis reflektiert; dafür sind Gespräch und Austausch hilfreich, die beim Selbstlernen fehlen. Nutzen Sie E-Learning für die Pflichtfortbildung nur, wenn Ihre Einrichtung es ausdrücklich anerkennt, und achten Sie darauf, dass die Bescheinigung den Umfang in Unterrichtsstunden ausweist.
Inhouse: Schulung im eigenen Haus
Der Anbieter kommt in die Einrichtung und schult das Betreuungsteam vor Ort, manchmal zusammen mit Pflegekräften oder Betreuungskräften benachbarter Häuser. Die Einrichtung bucht und bezahlt, meist pauschal je Tag; die Preise stehen selten öffentlich und werden auf Anfrage genannt.
- Dafür spricht: keine Anfahrt für die Teilnehmenden, Themen nach dem Bedarf des Hauses, Fälle aus dem eigenen Alltag können besprochen werden, das Team lernt gemeinsam. Bei mehreren Teilnehmenden oft günstiger als einzelne Seminarplätze.
- Dagegen spricht: kein Austausch mit anderen Einrichtungen, das ganze Team fehlt zur selben Zeit in der Betreuung, und im eigenen Haus wird man leichter zwischendurch gebraucht. Ein Raum außerhalb des Wohnbereichs hilft.
- Achten Sie auf: eine Teilnahmebescheinigung für jede Person mit Umfang in Unterrichtsstunden, wie bei offenen Seminaren.
Auch die Einrichtung selbst kann die Fortbildung durchführen; Anforderungen an Anbieter oder Dozenten stellt die Richtlinie nicht.
Entscheidungshilfe
- Mehrere Betreuungskräfte im Haus, ähnlicher Bedarf? Inhouse-Schulung anfragen.
- Einzelne Betreuungskraft, Anbieter in der Nähe? Präsenzseminar – besonders für praktische Themen wie Bewegung, Musik oder Validation.
- Weite Wege, schwierige Dienstplanung oder ein seltenes Thema? Live-Online-Seminar.
- Feste Termine passen gar nicht? E-Learning nur nach Rücksprache mit der Einrichtung.
Die 16 Stunden müssen nicht in einem Format stattfinden: Nach dem Wortlaut der Richtlinie zählen sie „insgesamt“ im Jahr, etwa ein Präsenztag und zwei kürzere Online-Seminare.
Vor der Anmeldung klären
- Erkennt die Einrichtung das Format an?
- Wer zahlt, und gilt die Fortbildung als Arbeitszeit?
- Ergeben die gebuchten Kurse zusammen mindestens 16 Unterrichtsstunden im Jahr?
- Stellt der Anbieter eine Teilnahmebescheinigung mit Umfang und Inhalten aus?
- Bei Online-Seminaren: Wo nehmen Sie teil, und funktioniert die Technik? Testen Sie den Zugang vorab.
Quellen
- GKV-Spitzenverband: Richtlinien nach § 53b SGB XI (Betreuungskräfte-RL), zuletzt geändert am 21.10.2022, § 4, PDF
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